Geschädigte Vermittler

Neben dem Ärger über den Millionen-Schaden an den Opfern von 4XP stellen sich nun den Anlegern die nächsten logischen Fragen:

  • Ein Broker der offshore auf den British Virgin Islands sitzt und nun kaum erreichbar ist?
  • Die Regulierung eines Offshore-Brokers über den freiwilligen russischen Verein zur Qualitätssicherung bei Finanzdienstleistern?
  • Keine nachvollziehbare Einlagensicherung der Kundengelder obwohl damit geworben wurde und dies vertraglich zugesichert worden ist?
  • An wen wende ich mich jetzt und wer trägt hier eine Mitverantwortung?

Die Antwort ist eindeutig:

An wen sonst außer an seinen lokalen (oder zumindest in Deutschland ansässigen) Berater und/oder Vermittler soll sich nun ein geschädigter Anleger denn auch wenden?

Es liegen bereits die ersten Beschwerden und Klagen gegen Vermittler, IBs und Vermögensverwalter die mit 4XP kooperierten vor – traurig aber verständlich!

Haben Sie in Deutschland oder innerhalb der Europäischen Union für oder im Namen von 4XP allgemeinen Kundenkontakt gehabt?

Haben Sie Seminare/Webinare oder andere Schulungen und/oder Veranstaltungen für, im Auftrag oder gegen Einmal-, Volumen-, Retrozessions- oder Kommissionszahlungen von 4XP und/oder Ihre Partner- und Tochtergesellschaften gehalten?

Haben Sie Kunden als IB, Vermittler, Tippgeber oder Affiliate an 4XP und/oder Ihre Partner- und Tochtergesellschaften vermittelt?

Haben Sie als Vermögensverwalter, Moneymanager oder PAMM-Händler Kundenkonten bei 4XP verwaltet?

Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit „Ja!“ oder mit „Ja – aber in einer anderen Konstellation!“ beantworten können, so können Sie auch davon ausgehen, dass Sie nun ein grosses Problem haben!

Bereits im vorigen Jahr entschied der Bundesgerichtshof, dass Vermittler die ihnen von den Produktgebern überlassene Unterlagen zur Berechnung der Wertentwicklung auf Plausibilität prüfen müssen. Tun sie dies nicht, müssen sie Schadensersatz leisten (BGH, Urt. v. 17.02.2011 – III ZR 144/10).

In dieser wegweisenden Entscheidung hat das Oberlandesgericht München vor kurzem die Grundsätze zur Vermittlerhaftung präzisiert und erweitert: danach kommt im Rahmen der Anlagevermittlung immer dann ein Auskunftsvertrag mit Haftungsfolgen zustande, wenn der Interessent deutlich macht, dass er – auf eine bestimmte Anlageentscheidung bezogen – die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des Geldexperten in Anspruch nehmen will, und der Vermittler die gewünschte Tätigkeit beginnt.

Aber welcher Vermittler konnte ahnen, dass Angaben wie „100% Sicherheit der Kundengelder durch Einlage in Fonds“ eben nichts weiter als falsche Informationen waren? Welcher Vermittler konnte den schon wissen, dass Mitarbeiter bei 4XP absichtlich falsche Informationen vermitteln?

Für die Frage, über welche Umstände ein Vermittler oder Vermögensverwalter im Einzelnen den Kunden aufzuklären hat, ist freilich nicht alleine entscheidend – relevant sind u.a. die Gründe die einen Interessenten dazu bewegen eine konkrete Kapitalanlage zu tätigen. Entscheidend ist, dass sich der Umfang der Aufklärungspflicht sich insbesondere aus dem speziellen Finanzprodukt ergibt – und das FOREX, CFDs, Options oder Futures ein erhöhtes Risiko beinhalten liegt auf der Hand.

Dabei sind auch solche Umstände aufklärungspflichtig, die für den Interessenten bei seiner Anlageentscheidung nebensächlich sind bzw. auch solche, an die er gar nicht denkt und schließlich sogar Umstände, die er bei Kenntniserlangung für nicht relevant hält (OLG München, Beschluss vom 02.10.2012 – 8 U 1273/12).

Wenn Sie also mit Kunden für oder im Namen von 4XP allgemeinen Kundenkontakt gehabt haben, Seminare/Webinare abgehalten haben, Kunden an 4XP und/oder Ihre Partner- und Tochtergesellschaften vermittelt oder Kundenkonten bei 4XP verwaltet haben, sollten Sie uns beitreten, Ihre Informationen mit uns und dem Rest der Gemeinschaft teilen.

Setzen Sie ein klares Zeichen, dass Sie sich von diesen Aktivitäten von 4XP distanzieren und dass Sie selbst hier zum Opfer dieser Falschinformationen geworden sind!